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Viel junges Publikum - genau unsere Zielgruppe für das Jahr 2050

Viel junges Publikum - genau unsere Zielgruppe für das Jahr 2050


Erstaunlich viele Jugendliche besuchen unseren Stand, hören interessiert zu & nehmen an dem retronasalen Experiment teil. Ihnen scheint es plausibel, dass über die sensorische Kompetenz eine Steigerung der Wertschätzung von Lebensmitteln folgt und sie berichten von ihrer Erfahrung mit ihren Schulkantinen und wünschen sich Verbesserungsvorschläge.

Nun geht es darum mögliche Kooperationspartner zu finden, mit denen wir gemeinsam einen Mittagstisch ausprobieren und verschiedene sensorische Tools miteingeben können. 


Ganz Berlin an einem Tisch: 

Auf zur BERLIN FOOD WEEK

Unser Team macht sich daher nun weiter auf zur nächsten großen Messe. Diesmal ist der Schwerpunkt ein anderer: Ernährung, Qualität und Genuss.

Aufbauend auf unseren neu entdeckten Sinneserfahrungen wollen wir mithilfe dieser Plattform in Kontakt kommen mit unterschiedlichen Branchenvertretern und der Fragestellung GEMEINSAM nachgehen wie man diese in Betriebskantinen/Kitas oder in den Alltag einführen kann. Anhand eines Workshops sollen die individuellen sowie die gemeinsamen Sinne angeregt werden können.

Unser Ziel ist weiterhin die Emanzipierung des Essers, was auf dem ersten Blick nicht mit der Industrie zu vereinbaren scheint aber wir sind daher gespannt auf einen kommenden regen Austausch und neue Erfahrungsberichte...

"Darf ich ein Stück Schokolade? - Ja, aber Nase zuhalten! Oder mindestens drei Minuten lutschen! "

"Darf ich ein Stück Schokolade? - Ja, aber Nase zuhalten! Oder mindestens drei Minuten lutschen! "

Das Münsteraner Kompetenzteam auf der Frankfurter Buchmesse. 

Diesmal sind unsere Mitglieder auf die Tage verteilt dort vertreten und dabei macht jeder seine ganz eigenen Erfahrungen. 

Philipp Overberg schildert hier seinen persönlichen Eindruck von der Begegnung mit der Messe und der ersten öffentlichen Präsentation unseres Projektes:

Der BEGINN...

Nach einer turbulenten Bahnfahrt mit sehr vielen Nonnen und einem lautstarken Shantychor raus aus dem Bahnhof, Ticketcodes, Security-Check, Hallen-Shuttle, Halle 4, Treppe rauf, vorbei an Porsche-Oldsmobile, Gin-Tonic-Bar und dann:

 N99. Unser Stand, ein offensichtliches Provisorium aus mobilen Kisten. Ich sage den Damen am Stand guten Tag, baue Stoppuhr, Stifte, Schokolade und Karten auf. Brauche ich ein Tablet für unsere Präsentation? Im Laufe des Tages zeigt sich: Niemand will eine Präsentation oder einen Film sehen. Die Besucher wollen mit mir reden. Ganz analog. Sehr gerne!

Es gibt einen Arbeitsplatz mit multimedialen Präsentationen aller Projekte. Sieht lustig aus. Raumschiff Orion. Knopf drücken, Kopfhörer auf, Film geht los. Aber viel genutzt wird diese Station nicht. Das persönliche Gespräch ist und bleibt attraktiver.

Es kommen einige Besucher. Mir ist keine Sekunde langweilig. Die wenigen Momente, in denen ich nicht mit Besuchern spreche, versuche ich, die anderen Stationen zu verstehen und mit den Projektleuten darüber zu reden. Gespräche, die ständig zerrissen werden, denn da kommen ja schon die nächsten Besucher. Ich muss sie nicht abfangen auf dem Gang. Sie kommen zu mir und fragen mich.

- Darf ich ein Stück Schokolade?

- Ja, aber Nase zuhalten! Oder mindestens drei Minuten lutschen!

- Hä?

Ich stelle die Stoppuhr an. Es geht los. Ich erzähle von PHASE XI, vom Projekt „34 Ernten“. Alle finden es gut. Die Besucher sind am Thema interessiert. Ganz anders als bei den großen Industriemessen, die ich sonst besuche. Toll! Ich lerne viele spannende Leute kennen. Daniel und die anderen Standbesatzungsleute nehmen neue Besucher auf, wenn ich im Gespräch bin, wir spielen uns die Bälle und schieben uns die Besucher zu. Sehr gut! Macht Spaß mit dem Team.

Mittagspause

Ich suche richtiges Essen. Will bewusst, unserem Thema folgend, genussvoll speisen. Denke mir: Gastland Frankreich, da muss es doch ein richtiges Restaurant irgendwo geben. Gehe vorbei an Pommes- und Burgerbuden. Frage mich durch. Aha, ARD-Forum, 1. Stock. Unten redet gerade Reinhold Messner über seine Abenteuer, klingt nicht so spannend. Hunger. Weiter. Endlich oben. Kellner sprechen Französisch und mäßig Englisch. Anzüge, Krawatten, Höflichkeit. Ein Tisch mit Tischtuch! Schön, ich sitze und fühle mich wohl. Speisekarte sieht gut aus. Ich bestelle Austern als Vorspeise und dann Kabeljau. Dazu viel Wasser und wenig Entre-deux-mers. Es riecht gut, ich freue mich. Essen war leider nicht so toll. Austern irgendwie unfrisch, kein Saft, viele Krümmel im Mund, Kabeljau trocken, Kartoffelpü kalt und fade, Möhre lau und geschmacklos. Egal, ich sitze an einem Tisch mit Tischtuch und genieße zumindest das beides sehr. Lange keine bewusste Mittagspause mehr gemacht, wo Kosten und Zeit nicht die Hauptrolle spielen. Inspiriert geht’s weiter in den Nachmittag.

Viele weitere gute Gespräche. Und dann kommt ein Mädchen, dessen Namen zu erfragen ich vor lauter Verblüffung vergessen habe. Sie wartet artig, bis ich Zeit habe. Ich biete Schokolade an, sie interessiert sich für den Versuchsaufbau. Sie hat einen Rollkoffer dabei für Bücher. Sie liebt Bücher. Sie kommt seit ihrem 4. Lebensjahr auf die Buchmesse, sagt sie. Aber damals noch mit ihren Eltern. Seit sie 6 Jahre alt ist, geht sie alleine. Sie kennt sich ja aus. Jetzt ist sie 9. Sie sagt, sie liest mehr als die anderen Kinder in ihrer Klasse. Und sie braucht viele neue Bücher. Nach dem Schokoladenexperiment gibt sie sehr präzise Auskunft über ihre Geschmackseindrücke. Ich bin baff. Dann sagt sie: Das haben wir in der Schule auch schon gemacht, aber mit weißer und dunkler Schokolade, bei den Projekttagen, kannte ich schon. Ich verwickele sie in ein Gespräch über ihre Ernährungsgewohnheiten. Sie mag eigentlich alles. Gerne süß, aber nicht zu süß. Wir reden eine Viertelstunde über Essen und Lesen. Ich bin schwer beeindruckt, aber die Gesprächsführung ist etwas anstrengend. Es macht trotzdem großen Spaß.

Den ganzen Tag lang fragt übrigens niemand, warum wir auf der Buchmesse sind, obwohl wir gar keine Bücher verkaufen. Die Besucher nehmen das Thema Lebensmittel dankbar an. Es sind einige Lehrer und Erzieher dabei, die gerne unsere Ideen an ihre Schulen oder Kindergärten tragen würden, und mich fragen: Wie geht’s weiter, was kommt raus bei eurem Projekt, was kann ich nutzen? Ich weiß es nicht. Schreiben wir ein Buch? Werden die Karten als Lehrmittel in den Handel kommen?

 Eine einzige Besucherin hat kein Verständnis für unser Anliegen. Sie sagt: Das mache ich doch schon alles. Sie sagt, sie ist in der Achtsamkeitsbewegung. Sie sagt, was wir anzubieten haben, kennt sie in besser bei der Rosinenmeditation. Die Achtsamkeitsjünger (säkularisierter Buddhismus!) nähern sich der Rosine mit verschlossenen Augen zuerst über den Tastsinn, dann riechen sie orthonasal daran, lecken vorsichtig, nehmen die Rosine in den Mund, lutschen etwas, kauen dann ganz langsam. Das dauert ungefähr eine halbe Stunde.

Der Tag geht vorbei wie im Raumflug. Ich hole mir einen Gin Tonic mit Gurke und setze den Diskokugelhelm auf. 


Engage!

 

 


Es krabbelt uns die ZUKUNFT auf den Teller – Insekten auf der Speisekarte

Es krabbelt uns die ZUKUNFT auf den Teller – Insekten auf der Speisekarte

Unter dem Leitgedanken „Zeitenwende“ stand die TED Veranstaltung am 27.09. in Münster. 

Prof. Dr. Guido Ritter, Kompetenzteammitglied, nutzte nun die Einladung zum Vortrag bei dem lokalen Ableger eines US-amerikanischen Innovationskonferenz und plädierte dort für ein Umdenken des Speiseplans:

 


Es geht um Insekten- sie bereiten vielen Menschen in unseren Breitengraden Ekel, unter Experten gelten sie jedoch als Nahrungsmittel der Zukunft

So müssen sie auch in Zukunft unsere Speisekarte bereichern, denn Maden, Heuschrecken und co. sind reich an ernährungsphysiologisch wertvollem Eiweiß. Sie sind dabei in der Zucht deutlich ressourcenschonender als die konventionelle Tierhaltung.

Bei dem Vortrag ging er auch auf die Fragestellungen von Geschmacksentwicklung, Ekelgefühle und Akzeptanzhürden ein.

Schon während der Vorstellung wurden kleine Schokoladenplättchen inklusive kleiner Maden verteilt & nach einem kurzen Raunen der Zuschauer hörte man es doch an der Verpackung knistern und es wurde probiert. 

Bezüglich unseres Geschmackes ist es wichtig stets offen für neue Möglichkeiten zu sein, sie zu fördern und auch einer Schokolade mit leicht salziger Note eine Chance zu geben. 

 Der Vortrag wird in Kürze unter http://tedxmuenster.de in voller Länge abrufbar sein.

"Der Mensch - nicht mehr Herr seiner SINNE?"

"Der Mensch - nicht mehr Herr seiner SINNE?"

Bei dem Treffen der Lab- Mitglieder in Berlin wurde die experimentelle Bekanntschaft mit dem Retro-nasalen Duft gemacht und Geschmacks bzw. die Erlebnisbeschreibungen wie „steinig, kalt“ oder "ähnelt einem spitzen Ton” legen nahe, wie vielseitig unsere menschliche Sensorik sein kann.

Nun im Hinblick auf den baldigen Workshop auf der diesjährigen Berlin Food Week sowie der darauffolgenden Frankfurter Buchmesse fokussiert sich das Team auf den GESCHMACK und dessen möglicher Manipulation. Die evolutive & lebensnotwendige Bedeutung scheint längst in Vergessenheit geraten zu sein. Daher ist es umso wichtiger, dass das ganz ursprüngliche Vorhandensein dieser Sinne bewusstgemacht wird.

 Hierzu ein Essay von dem Teammitglied Martin Wurzer-Berger:




Schmecken – 

ein überlebenswichtiger und noch zu unterschätzter Sinn


"Politik, Gesundheitskonzepte, Diäten und Lebensmittelindustrie – sie alle arbeiten daran, unseren Geschmackssinn ihren Interessen gemäß zu lenken. Warum ist unser Geschmackssinn so anfällig für MANIPULATIONEN von außen?

Gemeinhin verstehen wir unter Schmecken den Eindruck, den jedwedes Essen oder Trinken auslöst. Er ist häufig verbunden mit einem Werturteil: „Es schmeckt mir“ meint recht allgemein und undifferenziert, dass das gerade Gegessene oder Getrunkene mein Wohlgefallen findet (oder eben nicht, wenn ich mich abfällig äußere). Das könnte uns zu der naheliegenden Annahme verleiten, dass Essen und Trinken vor allem dafür da sei, uns zu Erfreuen. Doch das hieße, die Macht und Bedeutung der Geschmacks Sensorik fahrlässig zu unterschätzen.

 Allgemeiner verstanden ist Schmecken die Summe der sensorisch ausgelösten Wahrnehmungen beim Essen und Trinken. Dem Sehen vergleichbar stellt sich die sensorische Geschmacksempfindung unmittelbar ein. Sie kann keinesfalls willentlich gesteuert werden, ist auch in ihrer Intensität nicht beeinflussbar. 

Das hat einen recht einfachen Grund: Das primäre Interesse unseres Körpers ist das simple, existenzielle Überleben. Der im Laufe der Evolution ausgebildete Geschmackssinn bewertet nahezu unwillkürlich, ob uns eine Nahrung zuträglich ist, noch bevor sie der Verdauung zugeführt wird.

Dazu bedient er sich lediglich fünf Qualitäten: süß, sauer, salzig, umami und bitter (diskutiert wird, ob es mit Fett und Wasser zwei weitere geben könnte). Mit ihrer Hilfe werden der Energiegehalt, die Elektrolytzusammensetzung und schädliche Stoffe einer Nahrung identifiziert. Das Ergebnis führt unmittelbar zu einer hedonischen Bewertung zwischen ausgesprochen angenehm und extrem unangenehm. Bei kleinen Kindern gibt es eine freudige Aufnahme von süß, umami und (in engen Grenzen) salzig. Mit expressiver Abneigung hingegen reagieren sie auf Bitteres und Saures.

Die Geschmacksempfindungen selbst sind keinesfalls manipulierbar. Doch die resultierende hedonische Bewertung unterliegt durch die im Laufe des Lebens gewonnenen individuellen Erfahrungen erstaunlichen Modifikationen. Dazu zählt vor allem – aber nicht nur – die Bekömmlichkeit: 

Wir sollten schätzen, was uns gut tut. 

Und obwohl bitter, lernen wir, Bier und Schokolade sehr zu mögen. Darüber hinaus können vielfältige soziologische und psychologische Faktoren auf hedonische Bewertungen Einfluss nehmen. Die Perspektive für vielfältige individuelle Anreicherungen und Entwicklungen ergeben sich hieraus. Das ist aber eben auch die Einflugschneise für äußere Interessen".

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