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Beschreibung

„Du bringst Entdeckerlaune mit, wir spendieren dir das Drei-Gänge-Menu“

„Du bringst Entdeckerlaune mit, wir spendieren dir das Drei-Gänge-Menu“

 Der rote Mittagstisch zu Gast beim HERMANN’S in Berlin


Zwei Mitglieder unseres Teams machen sich auf in die Hauptstadt, um dort im Restaurant und „Innovationsspace“ HERMANN’S das Format des roten Tischs neu auszuprobieren, einige Übungen auszuprobieren und gemeinsam mit den Gästen sensorische Erfahrungen zu teilen.

Kunden, Freunde und spontan eingetretene Gäste des Unternehmens wurden eingeladen, an dem 60-minütigen Mittagessen teilzunehmen. Die ca. 15 Teilnehmer unterscheiden sich in ihrem beruflichen Hintergrund, Alter und Herkunft.

 

Annika und Philipp aus dem food lab muenster begrüßen die Gäste und stellen sich und den roten Tisch kurz vor – zum besseren Verständnis aller ist heute Englisch die Sprache am Red Table.

 

Die zubereiteten Speisen kommen genauso wie beim food lab muenster auf den Tisch: vegetarisch, biologisch, bunt gemischt, ästhetisch ansprechend angerichtet, für alle Gäste gleichzeitig zusammen an einer großen Tafel, in Schüsseln und Schalen zum Selbstauftun, von der Vorspeise bin zum Dessert steht alles von Anfang an auf dem Tisch. Man reicht sich die Schüsseln an und probiert, sofort entwickeln sich anregende Gespräche.

 

Dann kommt die erste Aufgabe:

 Iss in kompletter Stille, achte auf dein Essen und die Umgebung.

 

Die Hintergrundmusik des Restaurants wurde in den 2 Minuten pausiert, das Zerkauen der knusprigen Crostini oder des Chicorées dröhnten jedem im Ohr, gelegentlich übertönt von den Kaugeräuschen des Nachbarn. Der Fokus lag komplett auf der akustischen Wahrnehmung – eine intensive Erfahrung, die die Minuten für die Teilnehmer ganz schön lang werden ließ. Jeder starrt auf seinen eigenen Teller, um dem schweigenden Gegenüber nicht ins Gesicht blicken zu müssen. Man spürte, dass die Gäste froh waren, als das Schweigen wieder aufgehoben wurde. Erleichtert wurden die Eindrücke der Übung ausgetauscht.


Zweite Aufgabe: 

Setze dir eine Nasenklammer auf, iss weiter, beobachte den Geschmack, was passiert, wenn du die Klammer nach einer Weile wieder abnimmst?

 

Ein großer Spaß! Jeder am Tisch lacht über sich und die anderen mit den albernen Klammern auf der Nase. Einige greifen bei der Übung nach dem süßen Schokoladennachtisch. Als die Klammer geöffnet wird und zu der bereits auf der Zunge wahrgenommenen Süße das typische Schokoladenaroma kommt, geht ein Raunen durch die Gruppe. Auch bei anderen Speisen sorgt das Lösen der Nasenklammer für geschmackliche Aha-Effekte.

In der lockeren Atmosphäre am Tisch und der kommunikativen Gesamtsituation tauschen sich die Teilnehmer lebhaft über ihre Erlebnisse aus. Nach dem Essen erläutern Annika und Philipp die Hintergründe des eben Erlebten und die Ziele des Projekts.

 Sowohl bei den Gästen als auch den verantwortlichen im HERMANN’S ist das Interesse groß, das Thema weiterzuverfolgen. Wir sitzen noch länger zusammen und beantworten viele Fragen. Wo kann man die Karten mit den Übungen kaufen? In welchen Situationen können wir uns den roten Tisch noch vorstellen? Wie können wir eine möglichst breite Wirkung erzielen? Mit den Fragen und vielen inspirierenden Erlebnissen und Gesprächen im Gepäck fahren wir zurück nach Münster.

 

Erica Fernandez, die stellvertretende Leitung des Hermanns, hat zum Schluss noch eine nette Anekdote aus ihrer Kindheit in Brasilien zu berichten. Die Kinder kauften manchmal am Kiosk ein Bonbon mit dem sensationellen Produktversprechen, dass man mindestens 30 Minuten darauf lutschen könne. Wenn es nicht so lange gehalten hat, durfte man sich ein neues holen. Ganz einfach galt so die volle Aufmerksamkeit der langsam schmelzenden Süßigkeit im Mund und dem genussvollen Verstreichen der Zeit.

 

 

Habe Mut, dich deines eigenen Geschmackes zu bedienen! - Zu Gast am ROTEN Tisch.

Habe Mut, dich deines eigenen Geschmackes zu bedienen! - Zu Gast am ROTEN Tisch.

 Er steht im Mittelpunkt eines neuen aufklärerischen Programms, das die sensorische Kompetenz stärken soll. 

Konkret heißt das: 

Die jedem Menschen eigenen Fähigkeiten des Schmeckens und Riechens stärker ins Bewusstsein zu rücken und so einen selbstbestimmteren, aktiven, kritischen wie genussfreudigen Umgang mit Lebensmitteln zu ermöglichen. 

Das rote Tischtuch sagt schon mit seiner Signalfarbe:

„Achtung, hier passiert etwas Besonderes!“ 

Zusätzlich zu vielfältigen Überlegungen, wie das Thema Gemeinschaftsverpflegung am roten Tisch experimentell neu zu angegangen werden kann, haben wir auf einer Vielzahl von Karten unterschiedliche Übungen zusammengetragen, mit denen sich das Erleben von Essen und Trinken am roten Tisch bereichern lässt. 

 Aber auch in vielen anderen Situation können die Karten zum Einsatz kommen: in der Schule oder Kita, in der Familie oder im Freundeskreis, in größeren Gruppen, als Paar oder auch alleine.

 In den letzten Wochen unseres Phase XI Projektes machen sich unsere Teammitglieder Philipp Overberg & Annika Lauxtermann nun in den nächsten Tagen zum Innovationsraum „Hermanns“ in Berlin auf. 

 Dort soll eine weitere, neue Situation des Mittagstisches gestaltet werden, einige Übungen angewendet und im Vergleich zum Vorexperiment mit den Kita- Kindern nun auch bei Erwachsenen aus verschiedenen Berufsgruppen einen Effekt beobachtet werden. 

 

 

 

 

Hinter den Fassaden - creativeALPS zu Gast in Zürich

Hinter den Fassaden - creativeALPS zu Gast in Zürich

Der Workshop „Kultur- und Kreativwirtschaft im Alpenraum“, der im Rahmen eines Kooperationsprojekts der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) und der Phase XI des Deutschen Kompetenzzentrums Kultur- und Kreativwirtschaft veranstaltet wurde, widmete sich der Frage, wie Wirkungsdynamiken kultur- und kreativwirtschaftlicher Aktivitäten in Berggebieten gefasst und analysiert werden können. 

Das Projektteam, Studierende des Masters Transdisziplinarität der ZHdK und verschiedene Gäste setzten sich während zwei Tagen intensiv damit auseinander, ob und wie Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft auf eine ökonomische Dynamisierung des Alpenraums im erweiterten Verständnis Einfluss nehmen und wie Kulturinitiativen im Alpenraum langfristig wertschöpfende Wirkung entfalten können. Auch die Frage, welchen Beitrag Kultur- und Kreativwirtschaft dazu leisten kann, Klischees, alteingesessene Wahrnehmungen und Erwartungshaltungen dem alpinen ländlichen Raum gegenüber zu durchbrechen, wurde diskutiert.

 Konkrete Einblicke in zwei langjährig bestehende Kulturinitiativen – das von Hans Schmid in Lavin geführte Hotel Piz Linard (http://www.pizlinard.ch) und das von Giovanni Netzer in Riom gegründete Origen Festival Cultural (http://www.origen.ch/) – sowie in das Forschungsprojekt «Creative Economies“, das Christoph Weckerle von der ZHdK vorstellte (http://www.creativeeconomies.c...) bildeten für die Teilnehmenden die Grundlage für Diskussionen und Reflexion.

Explizit hervorgehoben wurde aus allen Perspektiven die Wichtigkeit der sorgfältigen Verankerung kultur- und kreativwirtschaftlicher Projekt und deren Initiatoren vor Ort. Die Stichworte in diesem Zusammenhang lauteten «Co-Creation» und «regionaler Netzwerkaufbau». Einig war man darin, dass die Frage der Skalierung von Aktivitäten und entsprechend der Umgang mit bestehenden politisch-sozialen Strukturen vor Ort viel Fingerspitzengefühl abverlangen. Zugleich aber wurde auch das hohe Potential des «Nicht-Vorhandenseins» von Standards angesprochen, die Akteuren gegenüber den oft stark reglementierten urbanen Kontexten gedanklichen und praktischen Freiraum bieten und damit gerade für kreative Branchen Perspektiven öffnen. Damit kann weit mehr als blosse «Fassadenrenovation» in Gang kommen und ein entsprechend positiver Einfluss auf die soziokulturelle und ökonomische Dynamik in den entsprechenden Regionen entstehen.

Einen zweiten Diskussionsschwerpunkt bildeten die vielschichtigen Verhältnisse des urbanen zum ländlichen Raum, vor allem in Bezug auf die Gefahr einer kulturellen Romantisierung auf der Basis von wohlorchestrierten Klischeebildern. Kontroverse Schlagworte wie «New Highlander», «Wellness-Kultur», «Urban Crisis», «Creative Tourism», «Umwegrentabilität», «Rural Braindrain» oder die «Naturpark-Falle» wurden verhandelt, aber auch auf die konkret erfahrbare Rolle der Architektur im Spannungsfeld von Tradition und zeitgenössischer Formensprache und damit verbundene oftmals sehr unterschiedliche Referenzenwerte und Erwartungshaltungen in Bezug auf Authentizität und ästhetische Sensibilität verwiesen.

Als Fazit des Workshops lässt sich sagen: Das Potential für eine nachhaltige Standortentwicklung, das Kreativschaffende verschiedenster Disziplinen im Alpenraum einbringen können, ist definitiv hoch. Insbesondere auch im Hinblick auf die Mobilisierung transdisziplinärer Denk- und Verfahrensweisen, die ästhetische Strategien nutzen, sich räumliche Qualitäten in neuen Weisen aneignen und so innovative Erfahrungs- und Handlungsmöglichkeiten eröffnen, bieten sich mit der Kultur- und Kreativwirtschaft große Chancen zur Schaffung motivierender Zukunftsszenarien für den Alpenraum.

Besuch in der Kita St. Nikolaus

Besuch in der Kita St. Nikolaus

Am Freitag, den 3.11.2017, waren wir in der Kita St. Nikolaus in Münster zu Besuch. Die Leiterin Monika Rolfes war sehr interessiert an unserem Projekt und bot uns die Möglichkeit, einen Vormittag lang mit den Kindern spielerisch ein paar sensorische Übungen durchzuführen. 

Vorab mussten wir selbstverständlich erst die Eltern in einem Anschreiben über unser Projekt informieren und ihr Einverständnis einholen. Der Termin sollte in den Schul-Herbstferien liegen, weil an allen anderen Tagen bereits spezielles Programm für die Kinder geplant war. In den Ferien kommen erfahrungsgemäß nur wenige Kinder in die Kita und die Tage sind nicht so stark durchstrukturiert. Angesprochen wurden die Eltern der 4- und 5-jährigen Kinder. Folgende Übungen hatten wir in dem Elternbrief kurz skizziert:

1. Übung: Was ist schmecken, was ist riechen? 

Die Kinder halten sich die Nase zu und versuchen, beim Trinken mit zugehaltener Nase den Unterschied zwischen Apfelsaft und Orangensaft zu schmecken. Gar nicht so einfach, sogar unmöglich, bis man die Nase wieder aufmacht und die fruchtigen Aromen, die die Kinder vermutlich gut kennen, von hinten in die Nasenhöhle strömen und neben den Geschmackseindrücken „süß“ und „sauer“ klar Orange und Apfel unterscheidbar machen. Schmecken ist zu einem großen Teil Riechen aus dem Mundraum in die Nasenhöhle, so genanntes retronasales Riechen!

 

2. Übung: Ist Schokolade süß oder bitter? 

Klar, wie Schokolade schmeckt, weiß jedes Kind. Wirklich? Wir geben den Kindern jeweils ein kleines Stückchen Vollmilch- und Zartbitterschokolade mit der Aufgabe, es so lange im Mund zu behalten wie möglich, idealerweise 120 Sekunden. Was schmeckt man, wenn man genau hinschmeckt? Ganz schön viele unterschiedliche Eindrücke! Und wie werden die Kinder das wohl in Worte fassen?

 

3. Übung: Wie fühlt sich das an? Wasser mit und ohne Prickeln. 

Wasser schmeckt nach gar nichts, oder? Wir lassen die Kinder Wasser mit und ohne Kohlensäure gegeneinander probieren. Was ist der Unterschied? Ist das Geschmack oder nur ein Gefühl auf der Zunge? Ob wohl ein Kind merkt, dass Wasser mit Kohlensäure nicht nur prickelt, sondern auch wirklich saurer schmeckt als eins ohne?

 

Insgesamt kamen 14 Kinder in 3 Gruppen zusammen, die von der Erzieherin Marina Pinto Americo in einen separaten Raum außerhalb der eigentlichen Gruppenräume begleitet wurden, Der Raum liegt direkt neben einer kleinen Küche, in der die Kinder zusammen mit den Erziehrinnen gelegentlich auch einfache Speisen selbst zubereiten, Plätzchen backen etc. – die „Genießer-Ecke“. Perfekt!

 Wir bereiteten den Raum vor: 

ein großer gemeinsamer Tisch für die Kinder, die Erzieherin und uns zwei Food-Laboranten. 


Dann kommen auch schon die Kinder rein.

 

1. Gruppe, 6 Kinder

 

Wir starten mit dem Wasser. Jedes Kind bekommt 2 kleine rote Plastiktassen, eine mit stillem Leitungswasser und eine mit demselben Wasser, das wir im Sodastreamer aufgesprudelt haben. Der Unterschied wird schnell entdeckt und benannt: Eine Tasse sprudelt, die andere nicht. Wir fragen, ob das Sprudelwasser auch nach etwas schmeckt. Die Antwort kommt prompt: nach Sprudel. Fall erledigt, weiteres Nachfragen zwecklos.

 

Dann wurde es schwieriger: Wieder 2 Tassen, diesmal eine mit Orangensaft, eine mit Apfelsaft. Wir bitten die Kinder, sich beim Trinken die Nase zuzuhalten und machen vor, wie es geht. Das scheint schwierig zu sein. Manche Kinder haben motorische Probleme, sich die Nase wirklich fest zuzuhalten und dabei zu trinken. Andere mogeln: riechen schon vor dem Trinken an der Tasse und halten sich erst dann die Nase zu oder machen die Nase zu früh wieder auf. Einer sagt: Das ist Apfelschorle. Die anderen stimmen zu. Wir fragen nach der zweiten Tasse. Einer sagt: Orangensaft, die anderen nicken.

 

Letzte Übung: Schokolade 2 Minuten lang im Mund lassen.

Zuerst bittere Schokolade mit einem Hauch Mango drin. Alle greifen gerne zu und lutschen still vor sich hin. Auf dem Handy läuft der Timer rückwärts. Einer kaut sein Stückchen sofort auf und glaubt, wir haben es nicht gemerkt. Nach 2 Minuten sagt der erste: bittere Schokolade. Wir fragen, ob er noch etwas anderes geschmeckt hat als bitter. Er sagt: Erdbeere! Die anderen sagen nichts außer: schmeckt nach Schokolade. Dann die zweite Sorte, wieder 2 Minuten, diesmal gibts Vollmilchschokolade. Die Kinder beschreiben die Unterschiede: süßer und vor allem schneller geschmolzen als die erste Schokolade. Welche hat besser geschmeckt? Etwa die Hälfte mag lieber bitter, die andere Hälfte Vollmilch. Es hat allen Spaß gemacht, wir freuen uns auf die nächste Gruppe und machen eine kurze Manöverkritik in der Pause. 


Das muss alles einfacher werden!

 

2. Gruppe, 4 Kinder

 

Es gibt nur eine Tasse mit Wasser, alle merken, dass es sprudelt. Wir üben mit der Wassertasse zusammen, mit zugehaltener Nase zu trinken. Als dann die Säfte in der Tasse sind, klappt es etwas besser als bei der ersten Gruppe. Das Ergebnis ist aber ähnlich. Den Unterschied zwischen Nase zu und Nase auf kann kein Kind bemerken oder benennen. „Apfelschorle“ für Apfelsaft wird als Geschmack eher identifiziert als der Orangensaft. Einer spricht es aus, die anderen stimmen zu.

 

Beim Schokoladenexperiment ein ähnliches Ergebnis wie in der ersten Gruppe: Der Geschmack der Bitterschokolade wird mal mit „bitter“ beschrieben, mal mit „nur Schokolade“, der Geschmack der Vollmilchschokolade mit „Schokolade“ und „Milch“. Präferenzen ungefähr gleich verteilt.

 

3. Gruppe, 4 Kinder

 

Wir vereinfachen weiter. Wasser dient als Übungsgetränk fürs Nasezuhalten. Bei den Säften kriegt jedes Kind nur eine Tasse, zwei haben Apfelsaft, zwei Orangensaft. Nasezuhalten klappt nicht perfekt, der Unterschied wird doch teilweise deutlich. Einer behauptet mit geschlossener Nase, der Orangensaft sei Wasser. Die Kinder merken, dass es mit geschlossener Nase schwieriger ist, zu schmecken. Deshalb machen sie sie auch schnell wieder auf. Was die Kinder nicht ahnen, ist, dass nicht alle denselben Saft in der Tasse haben. Das erste Apfelkind sagt bestimmt: „Apfelschorle“, das zweite stimmt zu. Die beiden Orangenkinder sagen gar nichts und lassen sich auch durch Nachfragen nicht zu einem Statement ermuntern. Offenbar haben sie gemerkt, dass sie keinen Apfelsaft in der Tasse haben. Sie wollen aber auch dem ersten Kind nicht widersprechen.

 

Beim Schokoladentest können wieder zwei der Kinder sicher „Bitterschokolade“ und „Vollmilch“ als Geschmacksrichtungen benennen. Die Präferenzen sind auch wieder gleich verteilt.

 

Beobachtungen

 

Die Kinder haben gut mitgespielt und hatten viel Spaß an der Aktion. Im Außenbereich der Kita sprechen unsere Kinder mit denen, die nicht teilnehmen konnten, über ihr Erlebnis und berichten begeistert. Wir sind auch positiv überrascht, wie gut die Kinder mitgemacht haben und wie groß in allen Gruppen das Interesse an den Übungen war.


  Was bei den Kindern davon übrig bleibt? Wir wissen es nicht. Vielleicht die Erkenntnis, dass es sich lohnen kann, sich für ein Stück Schokolade die Zeit zu nehmen, die die jeweilige Schokolade braucht.

 

In der Nachbesprechung sind wir vor allem überwältigt von dem Eindruck, wie stark die Dominanz der Gruppe über den individuellen Geschmack war. Die Gruppendynamik am Tisch war stets der bestimmende Faktor. In der Gesamtheit der 4- und 5-jährigen Kinder waren die individuellen Fähigkeiten, Geschmäcker zu erkennen und zu benennen, erwartungsgemäß sehr unterschiedlich verteilt. Die individuelle Entwicklung der Kinder und ihrer sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten spielt eine große Rolle. Nicht nur die Gruppe dominiert den einzelnen, es lässt sich auch eine klare Bezeichnungsdominanz feststellen. Wenn der Geschmackseindruck „mit Sprudel“ oder „Apfelschorle“ einmal feststeht, wird er nicht weiter hinterfragt, revidiert oder ergänzt. Die individuell unterschiedlich stark ausgeprägten begrifflichen Kategorien strukturieren die sensorische Wahrnehmung sehr stark. An einem Detail lässt sich das sehr gut ablesen: Apfelsaftgeschmack kennen die Kinder vor allem aus der Mischung als Apfelschorle, weil purer Saft für Kinder bei Eltern verpönt ist. Karies und Übergewicht drohen! Im Gegensatz zu Erwachsenen differenzieren die Kinder nicht zwischen Apfelsaft und Apfelschorle. Auch ohne Wasserzugabe wird Apfelgeschmack im Getränk als Apfelschorle bezeichnet. Interessanterweise hat kein Kind gesagt, dass der Apfelsaft nach Apfel schmeckt. Der Saft schmeckt nach Apfelschorle! Der Begriff ist eine starre Kategorie, eine gedankliche Schublade. Schublade auf, Geschmackseindruck rein, Schublade zu. 


Bleibt das im Erwachsenenalter eigentlich so?

 

Die Kategorie Orangensaft/Orange war wesentlich weniger präsent. Offenbar spielt sie im Alltag der Kinder eine untergeordnete Rolle. Wer jemals mit kleinen Kindern im europäischen Ausland unterwegs war, konnte vermutlich auch den Eindruck bekommen, dass die Omnipräsenz der Apfelschorle ein singuläres, kulturspezifisch deutsches Phänomen ist. Wie dem auch sei; Gruppe, Sprache und Kultur sind offenbar Themengebiete, die wir stärker in Betracht ziehen müssen, wenn wir die Geschmackssensorik in ihrer ganzen Multidimensionalität erfassen wollen.

 

Die Erzieherin Marina Pinto Americo, die bei allen drei Gruppensessions anwesend war, half uns, das eben Erlebte einzuordnen. Die Kinder haben offenbar normal agiert und dasselbe gruppendynamische Verhalten gezeigt wie bei gemeinsamen Mittagessen in den Gruppen.

 

Wir sind jedenfalls sehr dankbar, dass wir viele Anregungen aus dem Vormittag in der Kita St. Nikolaus mitnehmen durften. Foto, Film- oder Tonaufnahmen haben wir bewusst nicht gemacht, um das Einverständnis der Eltern nicht zu gefährden und die Kinder so natürlich wie möglich agieren zu lassen.


 

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